Digital Marketing

Rückblick: Shopware Day Schweiz 2026 – Community, Insights und neue Impulse

Shopware Day Schweiz 2026 mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Hof zu Wil

Was passiert, wenn nicht mehr nur Menschen einkaufen, sondern zunehmend auch KI-Agenten?

Diese Frage prägte den Shopware Day Schweiz 2026. Am 3. September traf sich die Schweizer E-Commerce-Community im Hof zu Wil: 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Speaker und Partner kamen zusammen, um über Agentic Commerce, neue Vertriebskanäle, Kundendaten und die Zukunft des Onlinehandels zu diskutieren.

Der Schweizer Online-Versandhandel erreichte 2025 ein Volumen von 15.8 Milliarden Franken – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig verändern KI, Marktplätze und neue Formen der Kundenkommunikation die Spielregeln. Der Shopware Day zeigte: Die nächste Entwicklungsstufe des E-Commerce ist bereits im Gang.

1. Shopware: Scale Growth, not Complexity

Den Auftakt machte Martin Gaubitz, VP Marketing Europe bei Shopware, mit einem Blick auf Agentic Commerce und die Frage, wie Händler in einer zunehmend komplexen Commerce-Welt weiter wachsen können.

Seine These: KI-Agenten werden zunehmend für Menschen recherchieren, Produkte bewerten und Bestellungen auslösen. Der Onlineshop wird damit nicht mehr nur von Menschen besucht – sondern zunehmend auch von Maschinen bedient.

Vereinfacht lässt sich die Entwicklung als Weg vom Chatbot über den Copilot zum Agenten beschreiben: Während der Chatbot kommuniziert und der Copilot unterstützt, übernimmt ein Agent konkrete Aufgaben und handelt selbstständig.

Das verändert auch die Anforderungen an Onlineshops. Produkte müssen künftig nicht nur für Menschen auffindbar und verständlich sein, sondern auch für KI-Systeme. Wer nicht „agent-ready“ ist, riskiert, in den neuen KI-basierten Einkaufserlebnissen gar nicht erst aufzutauchen.

Shopware begegnet dieser Entwicklung unter anderem mit einem Agentic Readiness Scanner, einem Agentic Product Feed für die Sichtbarkeit in KI-Systemen sowie Lösungen zur Analyse KI-getriebener Verkäufe. Auch das Universal Commerce Protocol soll künftig standardisierte Prozesse von der Produktsuche bis zum Checkout ermöglichen.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis dabei ist gleichzeitig eine sehr grundlegende: Agentic Commerce beginnt nicht mit KI, sondern mit guten Daten. ERP, PIM und Shop müssen Informationen strukturiert, aktuell und für neue Schnittstellen zugänglich bereitstellen.

2. Agentic Commerce in der Praxis: Der Kroni WhatsApp-Case

Wie daraus ein konkreter Anwendungsfall entsteht, zeigte Ennio Tauro, Stv. Geschäftsführer und Head of Consulting bei Webwirkung, am Beispiel der Kroni AG aus Altstätten.

Das Familienunternehmen mit Wurzeln bis 1939 entwickelt und produziert Mineralstoff- und Vitaminmischungen für Nutztiere. Die Herausforderung: Kronis Kundschaft sind Landwirtinnen und Landwirte – mit Arbeitszeiten, die selten einem klassischen 9-to-5-Modell entsprechen.

Das Smartphone ist immer dabei, WhatsApp ein etablierter Kommunikationskanal. Warum also sollte eine Bestellung auf Öffnungszeiten warten?

Die Lösung ermöglicht Bestellungen direkt über WhatsApp – per Text oder Sprachnachricht und auch auf Schweizerdeutsch. Die Bestellung wird anschliessend direkt im Shopware-Shop ausgelöst und erscheint wie gewohnt in der Bestellhistorie. Bezahlt wird über den bestehenden Prozess.

Technisch ermöglicht wird diese Verbindung unter anderem durch das Model Context Protocol (MCP). Vereinfacht gesagt schafft MCP eine standardisierte Möglichkeit, über die KI-Systeme mit Anwendungen und Datenquellen interagieren können – gewissermassen ein „USB-C für KI“.

Damit wird aus einem Chatbot ein echter Agent: Er beantwortet nicht nur Fragen, sondern kann Kontext verstehen, auf relevante Informationen zugreifen und eine Transaktion ausführen.

Ennios Kernbotschaft lässt sich in drei Zahlen zusammenfassen:

  • 24/7 Erreichbarkeit – dort, wo die Kundschaft tatsächlich kommuniziert.
  • 100 % Kontext – durch die Nutzung eigener, echter Kundendaten.
  • Rund 90 % Marktanteil von WhatsApp bei der Nutzung in der Schweiz.

Der Kroni-Case zeigt damit sehr konkret, wohin sich Conversational Commerce entwickeln kann: weg vom reinen Dialog und hin zu tatsächlichem Commerce innerhalb des bevorzugten Kommunikationskanals.

Zum Kroni-Case veröffentlichen wir in Kürze eine ausführliche Success Story mit allen Details zur Umsetzung.

3. Einschätzungen zum Schweizer Onlinehandel

Alexandra Scherrer, CEO und Co-Owner der Carpathia AG, richtete den Blick auf die grossen Entwicklungen im Schweizer Onlinehandel.

Die Zahlen zeigen ein weiterhin wachsendes, aber sehr unterschiedliches Marktumfeld. Während der Online-Anteil bei Non-Food 19,7 % erreicht, liegt er bei Food & Near Food erst bei 3,0 %. Gerade im Lebensmittelbereich besteht damit weiterhin erhebliches Potenzial.

Im Carpathia-Umsatzranking sticht Galaxus besonders hervor: Rund 2,3 Milliarden Franken Umsatz und ein Wachstum von 39,4 % gegenüber dem Vorjahr machen den Händler zum Spitzenreiter. Dahinter folgen unter anderem Zalando, Digitec und Temu.

Bemerkenswert ist zudem die Bedeutung von Marktplätzen: 13 der Top-30-Onlineshops in der Schweiz sind Marktplätze.

Gleichzeitig entwickelt sich der Handel nicht nur digital. Scherrer zeigte anhand von Beispielen wie Ex Libris, Müller, Decathlon und Kiabi, wie unterschiedlich Unternehmen auf die Veränderungen reagieren. Während Ex Libris seine Filialen schliesst und in Galaxus integriert wird, bauen andere Anbieter ihre stationäre Präsenz weiter aus.

Parallel entstehen neue Touchpoints: Social Commerce über Plattformen wie TikTok Shop, KI-gestützte Produktempfehlungen und neue Sucherlebnisse direkt in KI-basierten Suchumgebungen.

Für Händler bedeutet das: Die Frage ist längst nicht mehr nur, wie gut der eigene Onlineshop funktioniert. Entscheidend wird zunehmend, wo und wie Kundinnen und Kunden überhaupt mit Produkten in Kontakt kommen.

4. Klaviyo & Shopware: Das autonome B2C CRM

Zum Abschluss zeigte Chris Traut, Partner Manager bei Klaviyo, wie Kundendaten, Automatisierung und künstliche Intelligenz zu einer neuen Form des Customer Relationship Managements zusammenwachsen.

Sein Ausgangspunkt: Moderne Shops sind zunehmend vernetzt – der Kundenkontext ist es dagegen häufig noch nicht.

Viele Unternehmen arbeiten mit zahlreichen Einzeltools. Das Ergebnis sind Datensilos, redundante Informationen und automatisierte Kommunikation, die nicht immer persönlich wirkt.

Klaviyos Ansatz verbindet deshalb Daten, Intelligence und Agents über verschiedene Kanäle hinweg.

Wie das konkret aussehen kann, zeigte der Case von HelloPets/WOOOF, einem Shopware-Shop für Hundefutter.

Die Voraussetzungen für Kundenbindung sind ideal: Hundefutter wird regelmässig nachbestellt, gleichzeitig bestehen Möglichkeiten für Snacks, Ergänzungsprodukte und weitere passende Angebote.

Der entscheidende Hebel sind die vorhandenen Kundendaten. Über ein „My Dog“-Profil können Informationen wie Name, Rasse, Geburtstag und Allergien erfasst und als Profilattribute genutzt werden.

Daraus entstehen automatisierte, kontextbezogene Journeys: eine Erinnerung, bevor das Futter voraussichtlich ausgeht, ein Geburtstagsgeschenk für den Hund oder passende Zusatzprodukte auf Basis der bisherigen Käufe.

Das Ergebnis: 138x globaler Klaviyo-ROI im Jahr 2025 sowie 39 % mehr automatisierter Umsatz gegenüber dem Vorjahr.

Der Perspektivwechsel dahinter ist entscheidend: Kundenbindung entsteht nicht nur durch immer neue Kampagnen. Unternehmen können ihre eigenen Kundendaten im eigenen Ökosystem nutzen, um relevantere Erlebnisse zu schaffen – und damit gezielter statt immer wieder neu in die Rückgewinnung derselben Kundschaft zu investieren.

Unser Fazit: Vom Assistenten zum handelnden Agenten

Der Shopware Day Schweiz 2026 hat gezeigt, wie schnell sich der E-Commerce verändert: KI beantwortet nicht mehr nur Fragen, sondern kann Produkte recherchieren, Empfehlungen aussprechen, Bestellungen auslösen und Kundenbeziehungen automatisieren.

Dabei geht es nicht darum, den persönlichen Kontakt durch Technologie zu ersetzen. Richtig eingesetzt, kann KI und Automatisierung persönlichen Service überhaupt erst skalierbar machen.

Die Voraussetzung dafür sind gute Daten, offene Schnittstellen und eine klare Strategie. Und diese Herausforderung stellt sich unabhängig vom eingesetzten Shopsystem.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Agentic Commerce, neue Vertriebskanäle und intelligente Automatisierung eröffnen neue Möglichkeiten – aber nicht jede Technologie ist für jedes Unternehmen gleich relevant.

Sie möchten herausfinden, wo Ihr Unternehmen heute steht und welche Chancen sich konkret für Ihren Shop ergeben?

In einem unverbindlichen Strategiegespräch analysieren wir gemeinsam Ihre aktuelle Situation, identifizieren relevante Potenziale und zeigen auf, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.

Wir bedanken uns bei allen Speakern, Partnern und Teilnehmenden für einen inspirierenden Nachmittag, spannende Gespräche und eine engagierte Schweizer E-Commerce-Community.

Wir freuen uns bereits auf den nächsten Shopware Day Schweiz!

Kommentare (0)

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Kommentarrichtlinie: Wir lieben Kommentare und schätzen die Zeit, die Leser damit verbringen, Ideen auszutauschen und Feedback zu geben. Alle Kommentare werden jedoch manuell moderiert und diejenigen, die als Spam oder reine Werbung gelten, werden gelöscht.

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen von Google.